Übersicht der Kartoffel-Direktvermarkter und Kartoffelhöfe Deutschlands

Viele Kartoffelsorten auf dem Wochenmarkt kaufen, darunter Linda und mehligkochende Kartoffeln

Viele Kartoffelsorten auf dem Wochenmarkt, darunter Linda, Hörnchen und mehligkochende Kartoffeln

In welchem Hofladen kann ich mehligkochende Kartoffeln kaufen?

Wissenswertes zur Knolle und eine Übersicht der Bauernhöfe in ganz Deutschland, die sie anbieten

Jeder weiß wohl, dass es drei Kochtypen bei Kartoffeln gibt: festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend. Ein durchschnittlicher Koch weiß auch, dass diese bei unterschiedlichen Gelegenheiten zum Einsatz kommen. Nur leider scheint dieser Teil unserer Kartoffel- und Kochkultur in einigen Gegenden Deutschlands, in einigen Altersgruppen oder Szenen vergessen zu werden oder „aus der Mode“ zu geraten. Da wird für alles eine Festkochende verwendet – völlig egal, ob sie geeignet ist oder schmeckt. Viele Bauern antworteten mir auf meine Frage, ob sie denn Mehligkochende anböten: „Nein. Wird kaum nachgefragt.“

Andererseits existieren auch fast paradiesische Regionen für Liebhaber der mehligen Variante. Da ist es ganz normal, in jedem Discounter oder Supermarkt alle drei Kochtypen in mindestens zwei Qualitäten vorzufinden.

Will man aber mehligkochende Kartoffeln aus der Umgebung – und diese vielleicht sogar in Bio-Qualität oder eine bestimmte Sorte – kaufen, wird es fast überall schwierig. Deshalb hier nun eine kleine Hilfestellung in Form einer Übersicht von einigen Bauernhöfen, die in der Direktvermarktung mehligkochende Kartoffeln anbieten.

Bevor man einen der aufgeführten Bauernhöfe direkt ansteuert, lohnt es sich, zunächst einmal den örtlichen Wochenmarkt zu besuchen. Dabei sollte man nicht überrascht sein, wenn die Preise zwischen 50 Cent (für Kartoffeln in einem 25-kg-Sack auf einem Dorf) und 4 Euro pro Kilogramm in der Stadt schwanken. Bio- oder besondere Kartoffelsorten können gern auch mal 7 Euro kosten.

Adretta

Die vor allem im Osten beliebte mehligkochende Sorte Adretta wird nur noch von immer weniger werdenden Bauernhöfen angeboten. Seit der Sortenschutz für die Adretta ausgelaufen ist, ist ihre Vermehrung für Saatkartoffelanbieter unrentabel geworden. Sie kann seither von jedem lizenzfrei nachgebaut werden, was aber nur die wenigsten können oder wollen. Selbst der Erfinder dieser Sote „Norika“ aus Groß Lüsewitz hat sie ab 2026 nicht mehr im Sortiment. Die Bauernhöfe, die in der Karte als Adretta-Anbieter eingetragen sind, bieten ab der Saison 2026/2027 vielleicht schon keine mehr an.

Eine Adretta auf den Teller zu bekommen wird also immer mehr zu einem Glücksfall werden.

Direktvermarkter von mehligkochenden Kartoffeln

Die Tabelle ist zu Beginn nach PLZ, kann aber auch nach Name oder Bundesland geordnet werden. Eine Suche filtert nur die Einträge heraus, die den gewünschten Begriff enthalten.

Hier sind nur die landwirtschaftlichen Betriebe, die die Kartoffeln anbauen und direkt vermarkten enthalten. Diese vertreiben die Tüften aber teilweise auch auf Wochenmärkten und über den lokalen Einzelhandel. Diese hier nicht dargestellten Bezugsquellen ermittelt man am Besten auf deren Internetpräsenz oder mittels Telefonanruf.

Im Karteneintrag (Link) sind zusätzlich enthalten: Internetadresse, Telefonnummer, Produkte und Öffnungszeiten.

Alle Anbieter mehligkochender Kartoffeln auf der Karte anzeigen.

Wer verkauft die legendäre Linda oder die Adretta? Infos zur Geschichte der Adretta gibt’s hier.

Bauernhöfe, die Linda, Adretta und mehligkochende Kartoffeln anbieten auf der schmeckthier Karte

So sieht die schmecktHier-Karte aus, wählt man die entsprechenden Kategorien aus.

Fehlt ein Eintrag oder haben Sie einen Fehler gefunden? Schicken Sie uns alle Infos, wir prüfen sie und aktualisieren die Übersicht.

Kartoffelangebot in den Hofläden: zeitliche Staffelung

Da die einzelnen Kartoffelsorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifen und sich auch nicht gleich gut zur Lagerung eignen, kommen sie nacheinander in die Läden. Bei den Festkochenden wird z.B. zunächst die Annabelle, dann die Glorietta, die Antonia und danach die Belana aus den Lagern geholt. Bei den Mehligkochenden ist die Marabel vor der Agria dran. Man darf sich also nicht wundern, dass von eigentlich 10 angebauten Kartoffelsorten eines Direktvermarkters nur drei in den Regalen liegen. Ist man besonders scharf auf eine bestimmte Sorte, kann eine Anfrage beim Bauern zum Erfolg und zur Lieblingsknolle führen. 😊

Das Kartoffelangebot der Bauernhöfe variiert natürlich auch von Jahr zu Jahr. Manche Sorten passen zum Landwirt, zum Boden, zum Wetter und zum Kunden – andere eben nicht. Was die Sorten angeht, sind viele Bauern experimentierfreudig. Es gibt jedoch einige Sorten, die häufig angeboten werden: Belana, Gala, Laura und Lilly fallen mir da ein.

Drei Kochtypen: festkochend, vorwiegend festkochend und mehligkochend

Die unterschiedlichen Kocheigenschaften ergeben sich aus dem Stärkegehalt der einzelnen Kartoffelsorten. Sie unterscheiden sich aber auch bezüglich ihres Wasser- und Zuckergehalts.

Wetter, Boden und Lagerung können dazu führen, dass dieselbe Kartoffelsorte hier mehlig, am anderen Ende des Landes dagegen schon eher feucht und fest daherkommt. So kommt es, dass z.B. Bintje, Gala, Agria oder Otolia teils als vorwiegend fest- oder als mehligkochend eingeordnet werden.

Kochtyp Stärkegehalt Wassergehalt Zuckergehalt
Festkochend 11–13 % Hoch Gering bis mittel
vorwiegend festkochend 13-15 % Mittel Mittel
mehligkochend >15 % Niedrig Sortenabhängig

Stärkegehalt

Festkochende Kartoffeln (auch Salatkartoffeln genannt) enthalten am wenigsten Stärke. Dadurch bleibt das Kartoffelfleisch beim Kochen fest, feucht und schnittfest.

Vorwiegend festkochende Kartoffeln (oder Speisekartoffeln) besitzen eine mittelfeste Konsistenz, die für Vielseitigkeit beim Kochen sorgt. Sie können beim Kochen aufplatzen.

Mehligkochende Kartoffeln haben den höchsten Stärkegehalt (manchmal über 20 %). Sie sind nach dem Kochen trocken, locker, platzen auf und sind gut zum Pürieren, für Suppen, Klöße und zum Frittieren geeignet.

Wassergehalt

Mehligkochende Kartoffeln besitzen am wenigsten Wasser. Dadurch sind sie besonders locker und „mehlig“, wohingegen eine festkochende Kartoffel fest und saftig wirkt.

Zuckergehalt

Der Zuckergehalt schwankt ebenfalls zwischen den Sorten und spielt eine besonders große Rolle für die braune Färbung beim Frittieren sowie den Geschmack. Für die industrielle Verarbeitung werden Sorten mit geringem Zuckeranteil verwendet, um eine übermäßige Bräunung und bitteren Geschmack (durch verbrannten Zucker beim Frittieren) zu vermeiden.

​Warum kann eine Kartoffel süß schmecken?

Diese geschmackliche Veränderung des Kartoffelgeschmacks -das kälteinduzierte Süßwerden- geschieht, wenn bei Temperaturen unter 4°C Amylasen im Fruchtkörper beginnen, die gespeicherte Stärke in Zucker zu spalten. Bei Minusgraden kommt noch hinzu, dass die Zellwände zerstört werden. Die Kartoffel wird dann weich und matschig.

Wenn also bei tiefen Temperaturen die SB-Kartoffelhütte leer ist, muss das nichts Schlechtes bedeuten. Es kann schlicht ein Zeichen dafür sein, dass der Bauer seine Knollen liebt und sie ins Warme geholt hat. 😊

Was ist eine „glasige“ Kartoffel?

Eine glasige Kartoffel entsteht, wenn das Knollenfleisch beim Kochen eine durchscheinende, feuchte und fast „nasse“ Konsistenz bekommt, statt wie üblich mehlig und locker zu werden. Das passiert durch einen sehr niedrigen Stärkegehalt, oft bedingt durch Wachstumsstörungen, eine minderwertige Sorte oder ungünstige Lagerbedingungen (z.B. zu feucht oder zu kalt).

Glasige Kartoffeln sind zwar grundsätzlich essbar, haben aber einen wenig angenehmen Biss und eignen sich kaum für Gerichte wie Püree oder Kartoffelsalat.

Eine Lanze für mehligkochende Kartoffeln brechen - Übersicht der Direktvermarkter und Hofläden wom man sie kaufen kann

Eine Lanze für die mehligkochende Kartoffel brechen

Das – für die Meisten verborgene – Haupteinsatzgebiet von mehligkochenden Kartoffeln: Pommes frites

Um ordentliche French Fries herzustellen, benötigt man mehligkochende Kartoffeln. Jeder Deutsche konsumiert ca. 15 Kilogramm Kartoffeln in Form von Pommes jedes Jahr. Einer der größten Markt-Player -McDonalds- verwendet in den USA die mehligen Kartoffelsorten Russet Burbank, Ranger Russet, Umatilla Russet oder Shepody; in Deutschland die Sorte Innovator. Diese Kartoffelsorten zeichnen sich durch einen hohen Stärkegehalt sowie einen geringen Wasser- und Zuckergehalt aus. Deshalb werden die Fritten innen schön luftig-weich und außen hellgelb und knusprig. Auch Agria und Bintje sollen sich gut eignen.

Die Auswirkung des Kartoffel-Kochtyps kann man nicht nur bei Pommes, sondern auch bei Bratkartoffeln oder Kartoffelspalten beobachten. Die Textur der Kruste nach dem Braten/Frittieren ist eine andere, als bei Festkochenden.

Exkurs: Das beste Frittierfett für French Fries oder Pommes frites

Abgesehen von der richtigen Kartoffelsorte, war ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der McDonalds-Fritten die Verwendung von Rindertalg als Frittierfett. Auch die Erfinder dieser Kartoffelzubereitungsform – die Belgier – nutzten (und nutzen) Rinderfett.

Der Kampf von „Gesundheits“- Aposteln führte zu seiner Ablösung durch Pflanzenöle, die aber blöderweise mit den hohen Temperaturen in der Fritteuse nicht so gut zurechtkommen und krebserregende Stoffe bilden.

Damit die Pommes den Amis auch ohne Rinderfett schmecken, wird dort heutzutage Rindfleischaroma als Geschmacksverstärker zugesetzt – neben diversen anderen Zusatzstoffen. Zum Glück aber nicht in Mitteleuropa.

Wer einmal echte belgische Pommes selbst herstellen will, sollte sich nach Rindertalg, Rindernierenfett, Rinderschmalz oder Blanc de Bœuf – was letztendlich alles das Gleiche ist – umschauen.

Mehligkochende Kartoffeln in der deutschen Küche

Der naheliegendste Verwendungszweck sind Suppen und Kartoffelpüree. Aber auch für gute Klöße/Knödel und Kartoffelpuffer sind sie – wegen ihres hohen Stärkegehaltes, aka ihrer Bindungsfähigkeit – unerlässlich.

Schmecken mehligkochende Kartoffeln anders als andere Kochtypen?

Na logisch! Keine Kartoffelsorte schmeckt wie die andere. Auch Feuchtigkeit, Körnigkeit, Konsistenz, Mundgefühl – alles ist anders.

Welche Kartoffelsorten schmecken am besten und gibt es Ungenießbare?

Wir haben über Jahre notiert, welche Kartoffelsorten uns am besten oder wenigsten mundeten. Wenig überraschend gehören die allermeisten angebotenen Sorten zum gut essbaren geschmacklichen Mittelfeld. Einige schmecken wirklich gut und nur ganz wenige – fast unmöglich zu beschaffende – sind exzellent. Alle diese Sorten tun nicht weh, wenn man sie isst. Man kann eigentlich nur positiv überrascht werden.

Ärgerlich ist es aber, wenn man in einen Erdapfel beißt, der nach gar nichts, fremdartig oder sonst wie unangenehm schmeckt. Der kann den ganzen Kartoffelsalat oder das komplette Gericht zur Gaumen-Qual machen.

Hier nun die aus unseren persönlichen Erfahrungen entstandene Warn-Liste der Kartoffelsorten, die man meiden sollte, da fast oder ganz ungenießbar. Die maximal erreichbare Punktzahl ist 10. Unter vier Punkten überlegt man, ob man weiterisst oder gar den kompletten Kartoffelsack entsorgt.

Natürlich ist diese Wertung unter dem Vorbehalt zu sehen, dass Geschmäcker, das Wetter und der Boden unterschiedlich sind.

Festkochend ... / 10 Vorwiegend festkochend ... / 10 Mehligkochend ... / 10
Antonia 4 Colomba 3
Bellinda 3
Lea 4
Milva 2
Montana 0
Musica 4
Princess 2
Regina 2

Bei den Mehligkochenden haben wir keine Kartoffelsorte mit weniger als 6/10 Punkten auf dem Teller gehabt. Bei diesem Kochtyp sind der typische Kartoffelgeschmack und das Mundgefühl meist besser ausgeprägt und rund – kurz: Sie munden besser! 😊

Außer den in der Tabelle aufgeführten Müllkartoffelsorten rate ich auch generell von Importierten ab. Die dienen nur dem Geldscheffeln der Supermärkte und haben mit guten Lebensmitteln nichts zu tun. Selbst deutsche Sorten (oder deutsch Klingende), die in Afrika, Südosteuropa oder Israel angebaut werden, sind nicht ansatzweise vergleichbar mit hiesigen Glücksknollen.

Ähnliches gilt m.M.n. auch für Frühkartoffeln: Kaufen Sie lieber – so lange erhältlich – Lagerkartoffeln vom Vorjahr. Die hatten in der Erde und im Lager mehr Zeit, Aromen auszubilden und schmecken um Längen besser, als die wässrigen, aromagebremsten Frühchen.

Übersicht einiger mehligkochender Kartoffelsorten.

Die Kartoffel, ein landwirtschaftliches oder ein Erzeugnis der chemischen Industrie?

Wenn man sich ansieht, wie viel Chemie, also Fungizide, Herbizide und Insektizide im konventionellen Kartoffelanbau eingesetzt werden, fragt man sich schon, ob das gesund für uns und vor allem die Umwelt sein kann. … und da ist die Düngung noch gar nicht mit berücksichtigt! Wobei vor allem die Stickstoffdüngung erst dazu führt, dass die Pflanzen so wenig widerstandsfähig gegen Krankheiten und Fraßschädlinge sind und mit Gift geschützt werden müssen. Aber das ist wieder ein Thema für sich.

Folgendes spritzt man auf die konventionellen Tüften / Grumbeeren / Ardäppl / Abern:

  • Beizung der Pflanzkartoffeln vor bzw. während der Aussaat zur Kontrolle knollenbürtiger Infektionen (Wirkstoffe Kupferhydroxid, Flutolani, Azoxystrobin)
  • Fungizide gegen Pilzkrankheiten wie Kraut- und Knollenfäule, aller 5 bis 10 Tage bis 3 Wochen vor Ernte
  • Herbizide gegen Unkraut, 1-2-mal pro Saison
  • Insektizide gegen Blattläuse, Drahtwürmer und Kartoffelkäfer, 1-2-mal pro Saison
  • Sikkationsmittel (Krautabtötungsmittel, Wirkstoff Pyraflufen-ethyl oder Diquat) um ein früheres Kartoffelkrautabwelken zu erzielen. Damit soll eine vorzeitige und gleichmäßigere Reifung und ein Schutz gegen Knollenfäule erreicht werden. Einsatz wenige Wochen vor der Ernte.
  • Keimstopp (Chlorpropham, Maleinsäurehydrazid oder 1,4-Dimethylnaphthalin) zur Vermeidung des Vorzeitigen Auskeimens während der Lagerung.

Je nach Befallsdruck durch Unkraut, Krankheiten und Schädlinge erhalten konventionell angebaute Kartoffeln bis zu 15 chemische Duschen bevor sie geerntet werden.

Um die Frage der Überschrift zu beantworten: Die Hitparade der Behandlungsindizes (BI, Anzahl chemischer Behandlungen pro Jahr) sieht für das Jahr 2024 in der BRD wie folgt aus:

4. Hopfen 11,6
3. Kartoffeln 12,1
2. Wein 18,2
1. Äpfel 30,8

Lässt man die mehrjährigen Kulturen weg, heißt der „Sieger“: Konventionell angebaute Kartoffel. 😐

Quelle: Jahresbericht 2024 des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz (NAP) des Landwirtschaftsministeriums

Eine „kleine“ Übersicht der marktgängigen Kartoffelbehandlungsmittel

Die beste Lagerung von Kartoffeln

Am besten lagert man Kartoffeln an einem 4,5 – 10°C kühlen, dunklen, trockenen und belüfteten Ort. Auf keinen Fall sollten im gleichen Raum Äpfel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Tomaten, Bananen oder anderes nachreifendes Gemüse/Obst gelagert werden. Denn dieses sondert beim Reifwerden das Gas Ethylen ab, das bei Kartoffeln zu frühzeitigem Austreiben und Verderben führt.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …