Einfache Kartoffelsuppe – Ostpreußisch

Eine Kartoffelsuppe -einfach und schnell selbst zubereitet – mit Wienerwürstchen in der Wintersonne
Konzentriert aufs Wesentliche: Eine Kartoffelsuppe, die nach Kartoffel schmeckt
Ausgangslage: Heißhunger während des Fastens
Wer schon einmal längere Zeit gefastet hat weiß, dass man gegen Ende dieses Kampfes gegen den inneren Schweinehund von immer mehr Heißhungerattacken gepeinigt wird und sich im Kopf langsam eine Liste ansammelt, was man nach dem Fastenbrechen unbedingt sofort zubereiten oder essen will. Bei mir war das z.B. eine bestimmte Apfelsorte, ein frisches, selbstgebackenes Baguette oder eben ein Teller Kartoffelsuppe.
Doch wie groß war meine Enttäuschung, als ich zum Fastenbrechen eine original sächsische Kartoffelsuppe zubereitet und gegessen hatte! Die, die oder auch jene aus dem Familienkochbuch schmeckten nach allem Möglichen, nur nicht nach Kartoffel! War das nur meinem – durch das Fasten geschärften und veränderten – Geschmacksempfinden geschuldet? Nein, denn auch ein folgender Versuch außerhalb der Fastenzeit endete genauso unbefriedigend.
Beim nächsten Mal pfiff ich auf „original“, „traditionell“ und „sächsisch“ und konzentrierte mich auf meine persönlichen Vorstellungen von einer leckeren Kartoffelsuppe. Und da stand und steht die Kartoffel im Mittelpunkt.
Metamorphose des Kartoffelsuppen-Rezepts: von überladen zu Kartoffel-geschmackszentriert und einfach: Simply the best!
Zunächst flogen alle gemüsig-süßlichen Zutaten raus: Porree, Möhre, Kohlrabi. Dann wurde der Pfeffer sowie alle anderen Gewürze eliminiert. Als einzige Kartoffel-kompatible Zutaten durften Zwiebel und Knollensellerie bleiben. Selbst Liebstöckel und Majoran erwiesen sich als überflüssig. Wenn man sie denn doch verwendet, dann nur sehr sparsam und wenn möglich frisch erst kurz vorm Servieren. Vor allem das Liebstöckel übertönt gern den Kartoffelgeschmack.
Den frischen Kontrapunkt der darübergestreuten Petersilie möchte ich dagegen nicht missen. Die bleibt auf jeden Fall.
Ohne den Bauchspeck schmeckt die Suppe zwar auch lecker, aber etwas Buchenrauch und Schweinefett stehen der Knolle einfach gut zu Gesicht und tragen den Geschmack. 😊 Wer will, kann jedoch dessen Menge verringern und Vegetarier lassen den Speck einfach ganz weg.
So vereinfacht schmeckt die Suppe dann wirklich wie sie sollte: nach echter Kartoffelsuppe! Noch dazu ist sie wirklich einfach und schnell zubereitet: eine echte Fast-Food-Leckerei!
Was habe ich auf meinem Kartoffelsuppenpilgerweg gelernt?
Kartoffelsuppe ist ein Gericht, das umso besser schmeckt, je mehr Zutaten man weglässt.
Das war’s auch schon mit der langen Vorrede. Nun ran an die kartofflige Kartoffelsuppe! ![]()
Rezept einfache Kartoffelsuppe – ostpreußisch inspiriert
Zutaten für 2 Portionen

Zutaten für 2 Portionen Kartoffelsuppe
600 g Kartoffeln (mehligkochend)
1-cm-dicke-Scheibe Knollensellerie
2 mittlere Zwiebeln
1-1,5 TL Salz
100 g geräucherter Bauchspeck
25 g Butterschmalz
1 TL Petersilie, frisch oder TK, gehackt
1/2 l Wasser
Optional: 2 Wienerwürstchen
Zubereitung
Kartoffeln und Sellerie schälen und in 1-cm-Würfel schneiden. Bei den Kartoffeln sollten ungefähr 450 g und beim Sellerie 125 g nach dem Schälen übrigbleiben.
Zwiebeln schälen und fein würfeln.
Bauchspeck (Schwarte abgetrennt, aber ebenfalls mit anbraten) am Stück in heißem Butterschmalz in einem für die geplante Flüssigkeitsmenge passenden Suppentopf beidseitig anbraten.
Sellerie, Kartoffeln und Zwiebel ebenfalls darin anbraten, bis die Zwiebel anfängt zu bräunen.

Bauchspeck und Gemüse auf höchster Stufe anbraten
Mit kochendem Wasser auffüllen, bis fast alle Kartoffeln bedeckt sind, salzen und in ca. 15 Minuten garkochen.

Nicht zu viel Wasser zugeben (wie im Bild), sonst wird die Suppe zu dünn und man muss am Ende länger reduzieren.
In einem separaten Topf die Wiener langsam in Wasser erhitzen, nicht kochen.
Speck und Schwarte aus der Suppe herausfischen, das Gemüse kleinstampfen – nicht pürieren.
Bauchspeck (nicht die noch harte Schwarte) kleinschnippeln und wieder zu den Kartoffeln geben.
Wenn nötig mit Wasser (Kochwasser von dem Wienern) eine dickflüssige Suppenkonsistenz einstellen.
Mit Salz abschmecken und auf den Tellern mit kleingehackter Petersilie bestreuen.
Wer will, fügt auch ein paar Blättchen frischen Majoran und natürlich das Wienerwürstchen hinzu.
Guten Appetit!
Hinweise
- Gut schmeckende mehligkochende Kartoffeln sind wesentliche Grundlage einer guten Kartoffelsuppe. Ich verwende Adretta, Afra, Finka oder Gunda.
Unsere Übersicht der Bauernhöfe, die mehligkochende Kartoffeln anbieten. - Schneidet man den Speck schon vor dem Garen klein, trocknet er aus und wird hart.
- Auf keinen Fall Kochwasser wegschütten! Wenn zu viel Wasser im Topf ist, um das Gemüse stampfen zu können, abgießen – aber das Kochwasser auffangen, Gemüse stampfen, geschnittenen Bauchspeck und Kochwasser wieder zugeben, durchkochen. Wenn jetzt die Suppe noch zu dünnflüssig ist, weiterkochen und so die Flüssigkeitsmenge reduzieren.
- Beim Einstellen der richtigen Suppenkonsistenz ein Spritzschutzsieb bereithalten.
- Das separat erwärmte Wienerwürstchen als Einlage ist optional. Mit dem Bauchspeck braucht man es fast nicht. Wenn, dann verwenden Sie keine Glas- oder Büchsenwürste, die haben ihren Geschmack ans Konservenwasser abgegeben und schmecken nach nix mehr.
- In die Original Ostpreußische Variante kommt anstatt des Würstchens ein Rollmops rein.
- Wichtig: keine Möhre, kein Porree, kein Kohlrabi, kein Pfeffer, kein Muskat, kein Kümmel, kein Lorbeer und auf keinen Fall Sahne in irgendeiner Form.
Rezept Einfache Kartoffelsuppe herunterladen

Nach einer Tour im Schnee oder einem Tag am Rodelhang gibt es kaum etwas Herrlicheres, als eine heiße Kartoffelsuppe mit Wienerwürstchen. 🙂
Regionale Versionen der Kartoffelsuppe
Wenn man sich im Netz Kartoffelsuppenrezepte durchliest, die mit „Original *Region einsetzen* Kartoffelsuppe“ werben, hat das inzwischen gar nichts mehr zu bedeuten. Jede Kartoffelsuppenvariante wird inzwischen als typisch … ausgegeben. Man müsste wahrscheinlich 100 Jahre alte Kochbücher oder zumindest Rezepte von vor dem Internet und dem Fernsehen konsultieren, um regionale Unterschiede zu finden.
Hier ein paar Überreste von Regionalität:
- Sächsisch: pürierte Kartoffeln + Suppengrün + Liebstöckel und Majoran mit Wienerwürstchen oder Bockwurst
- Ostpreußen: Bauchspeck + Dörrfleisch + Fleischwurst (anstatt Wiener), Wacholderbeeren, Lorbeer. Auch Varianten ohne Gemüse (Grundlage für dieses Rezept hier) oder mit saurer Sahne und Senf existieren.
- Norddeutsch/Niederdeutsch: klare Suppe mit Birnenspalten – das klingt sehr interessant!
- Bremen: mit Sahne und Nordseekrabben anstatt Wiener / Bockwurst als Einlage
- Baden, Pfalz, Saarland: „Grumbiersupp un Zwetschgekuche“ (Kartoffelsuppe mit Zwetschgenkuchen)
- Bayrisch: mit Essiggurke und Leberkäse anstatt Wiener
- Mecklenburg / Schleswig-Holstein: „Tüften un Plum“ = Kartoffeln mit Backpflaumen und Kassler-Nacken – ein Vertreter der regionalen „Broken sööt“ (gebrochene Süße) – Küche
